Notfalluhr für Senioren ist weltweit im Einsatz

Bericht der Kärntner Wirtschaft über die JAMES Sicherheitsuhren

12.06.2020

Sie rufen auf Knopfdruck Hilfe und überwachen Gesundheitswerte: Die Produkte der ilogs Healthcare GmbH sollen älteren Menschen so lange wie möglich das Leben in ihren eigenen vier Wänden ermöglichen.

Angelika Dobernig

Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, Kontakt zu halten – ohne persönlich in Kontakt zu treten. Doch regelmäßiges Telefonieren allein reicht bei älteren Menschen oft nicht aus. Gesundheitswerte müssen laufend kontrolliert werden und im Notfall wird schnelle Hilfe benötigt. Die Antwort auf diese Herausforderung kommt von einem Klagenfurter Unternehmen: Die „ilogs Healthcare“ hat ein System für die optimale Tele- Betreuung entwickelt. „Das Ziel unserer Arbeit ist, dass ältere Menschen länger zuhause leben können“, sagt Geschäftsführer und Unternehmensgründer Walter Liebhart.

Sicherheitsuhr auch auf Baustellen im Einsatz

Walter Liebhart mit einigen seiner Produkte: die „James“-Sicherheitsuhr in unterschiedlichen Varianten sowie das „James“-Tablet mit vernetztem Blutdruckmessgerät.

Bereits weltweit in Verwendung ist die „James“-Sicherheitsuhr, mit der auf Knopfdruck Hilfe gerufen werden kann oder die Alarm schlägt, wenn beispielsweise eine demente Person ihre Sicherheitszone verlässt. Durch die eingebaute Sim-Karte funktioniert die Uhr überall und übermittelt über eine kostenlose Handy-App auch den Standort des Uhrträgers – sofern der Empfänger zur Abfrage dieser Daten berechtigt ist. Zu den Kunden des Klagenfurter Unternehmens zählen vor allem Notfalldienste wie bespielsweise das Rote Kreuz in Deutschland. „Sie ist aber auch für andere Einsatzgebiete interessant. Wir haben zum Beispiel Kunden, die Mitarbeiter damit ausstatten, die allein auf Baustellen im Einsatz sind. So können sie im Notfall Hilfe rufen und werden rasch gefunden“, erklärt Liebhart. Erhältlich sind die Uhren in unterschiedlichen Modellen, zum Beispiel als Klassiker in runder Form oder als sportive Variante, die einer Fitness-Smartwach zum Verwechseln ähnlich sieht.

„Man muss ja nicht auf den ersten Blick sehen, dass es sich dabei um eine Notfalluhr handelt. Auch Sportler, die allein unterwegs sind, schätzen diese Form der Sicherheit.“

Walter Liebhart

Die neueste ilogs-Entwicklung ist ein Tablet, das mit den unterschiedlichsten Anwendungen vernetzt ist. So sendet beispielsweise das digitale Blutdruck-Messgerät seine Daten automatisch an das Tablet – und im „Care-Center“ werden diese Daten überwacht und Abweichungen festgestellt. „Wir haben eine Krankenschwester, die alle Messdaten kontrolliert. Ist der Blutdruck zu hoch oder wurde über einen gewissen Zeitraum keine Messung durchgeführt, ruft sie den Kunden an und fragt nach, wie es ihm geht“, erklärt Walter Liebhart.

In Zukunft soll dieses System an Notfalldienste auf der ganzen Welt verkauft werden. Das „CareCenter“ wird dann nicht mehr von der ilogs Healthcare GmbH betrieben, sondern von dem jeweiligen Notfalldienst.

„Hier stehen wir noch ganz am Anfang, deshalb bieten wir es vorerst selbst an. Aber die Nachfrage ist groß und die ersten Pilotprojekte mit großen Kunden sind bereits in Vorbereitung. Unser Ziel ist es, dieses Modell international auf Schiene zu bringen.“

Walter Liebhart

Kombiniert wird die Kontrolle der Gesundheitsdaten mit Kommunikation und Information. Das Angebot reicht von der Suche nach Youtube-Videos, dem Lesen der aktuellen Tageszeitung bis zur Video-Telefonie in Gruppen. „Das ist – neben Sicherheit und Gesundheit – der dritte wichtige Pfeiler unseres Produkts: Es ist ein Hilfsmittel für das gemeinschafliche Erleben. Schließlich ist die soziale Vereinsamung ein großes gesellschafliches Problem“, so Liebhart.

Mit dem Tablet sei es beispielsweise möglich, in einer Gemeinde mehrere Menschen mit denselben Interessen zu einer Gruppe zusammenzufügen. Regelmäßige Online-Treffen könnten so auch in Zeiten, in denen man einander nicht treffen kann – oder darf –, für Abwechslung und soziale Kontakte sorgen. Dieser Aspekt hat in den vergangenen Wochen zum Verkauf hunderter Tablets an das Land Kärnten gesorgt. Diese kommen nun in Pflegeheimen zum Einsatz, um Besuchern den Kontakt zu ihren Familien zu ermöglichen. Der Schlüssel zum Erfolg der High-Tech-Geräte ist die einfache Bedienung. Denn während im Hintergrund komplexe Prozesse arbeiten, wirkt die Benutzeroberfläche simpel und spartanisch. „Unsere Kunden wollen ein Produkt, das so einfach wie möglich funktioniert. Man soll sich auf den ersten Blick zurechtfinden können. Deshalb kommt man bei uns auf Knopfdruck zurück ins Hauptmenü“, erklärt Walter Liebhart.

Pionier der mobilen Zeiterfassung

Als Walter Liebhart sein mobiles Zeiterfassungssystem auf den Markt brachte, gab es noch keine Smartphones.

45 Techniker arbeiten bei der ilogs Healthcare GmbH an der Entwicklung von digitalen Lösungen für Gesundheit und Pflege – wie hier Patrick Palle, Walter Liebhart und Franz Waldher (von links).

Alles begann mit einer innovativen Idee: Vor 17 Jahren begann Walter Liebhart mit der Entwicklung einer mobilen Zeit- und Leistungserfassung. Als potenzielle Kunden hatte er vor allem Gewerbe- und Handelsbetriebe im Auge. Das System sollte die Abrechnung mit Außendienst- und Montage-Mitarbeitern digitalisieren. „Damals war das für Unternehmen aber noch kein großes Thema. Unsere Entwicklung kam damals sicher um einige Jahre zu früh“, erinnert sich der Klagenfurter Unternehmer. Trotzdem kam die Entwicklung genau zum richtigen Zeitpunkt.

„Es wurde damals ein großes Projekt des Landes ausgeschrieben: Man war auf der Suche nach einem mobilen System für die Pflegedienste. Und da hat unsere Entwicklung genau gepasst.“

Walter Liebhart

Die Software „Mocca“, die ursprünglich für den Gewerbebereich gedacht war, bekam eine neue Ausrichtung – und hat diese bis heute behalten. In ihr werden Pflegedienstleistungen geplant, verrechnet und dokumentiert. „Unser Produkt ist sozusagen das ‚SAP‘ für das Pflegemanagement. Wir sind Marktführer in Österreich“, so Liebhart.

Interview mit...
dem Erfinder der "James"-Notfalluhr, Walter Liebhart

„Forschungsintensive Arbeit schwierig zu finanzieren“

Kärntner Wirtschaft: Was ist die größte Herausforderung bei Ihrer Arbeit?

Walter Liebhart: Wir sind Techniker. Unsere Stärke ist es, Produkte zu entwickeln. Der Verkauf ist wieder eine ganz andere Sache. Das ist eine große Herausforderung – vor allem auf internationaler Ebene. Dazu kommt die Finanzierung.

Wo liegt hier die Herausforderung?

Die gesamte Forschung und
Entwicklung, die wir in ein Produkt investieren, müssen wir vorfinanzieren. Wir arbeiten nicht an Projekten, die wir von anderen Unternehmen erhalten, sondern entwickeln unsere eigenen Produkte. Oft dauert es Jahre, bis wir mit einem Produkt auf den Markt gehen. Gerade in Europa ist die Finanzierung einer solchen forschungsintensiven Arbeit schwierig. In Amerika hätten wir es leichter, dort hätten wir schon viele Investoren gefunden.

Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten: Welcher wäre das?

Tele-Betreuung wird derzeit noch nicht vom Staat gefördert. Ich hoffe, dass sich durch die aktuellen Entwicklungen gezeigt hat, wie wichtig dieses Thema ist. Diese Systeme ermöglichen es älteren Menschen, länger zuhause leben zu können – und dadurch reduzieren sich auch die Kosten für Pfl ege und Betreuung.

Welche Werte sind Ihnen in Ihrem Unternehmen wichtig?

Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. Unsere Produkte sollen einen langfristigen Nutzen bringen und nachhaltig wirken. Die soziale Integration älterer Menschen steht als großes Ziel über unserem Tun.

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